Seit 1998 steht die „Montan- und Kulturlandschaft Erzgebirge“ auf Vorschlag der Sächsischen Landesregierung auf der Welterbe-Warteliste der deutschen UNESCO-Kommission. 15 Jahre später - im Frühjahr 2013 - möchte die Kommission das komplette Antragswerk entgegen nehmen, um nach der Begutachtung desselben und einer Visite der Region den begehrten Titel „Welterbe“ im Juni 2014 zu verleihen.
Warum Welterbe? 800 Jahre Innovation und Tradition!
Mit den ersten Silberfunden um das Jahr 1168 und der damit verbundenen Entstehung des Bergbau- und Hüttenwesens begann im Erzgebirge eine tief greifende und nachhaltige Entwicklung. Das „Bergkgeschrey“ ließ nicht nur Bergleute, Händler und Siedler in die Region strömen. Der Abbau und die Verarbeitung von Silber, Zink, Kupfer und anderen Erzen forderten und förderten in erster Linie technisches Wissen und Geschick, Erfindergeist und nicht zuletzt auch Unternehmer, die bereit waren, in Bergwerke, Kunstgräben oder Förderanlagen zu investieren. Zahlreiche technische Denkmale über- und untertage zeugen noch heute von den herausragenden Leistungen dieser über 800-jährigen Bergbaugeschichte, die sich, resultierend aus der steigenden Rohstoffnachfrage am Weltmarkt, im neuen Jahrtausend fortsetzen wird.
Weil die Bergbauzeit aber ebenso von wirtschaftlichen Niedergangsphasen geprägt war, suchten sich die Einheimischen seit dem 17. und ausgehenden 19. Jahrhundert andere Erwerbsmöglichkeiten. Völlig neue Industriezweige, wie die Textil-, Papier- oder Holzspielwarenindustrie entstanden als Bergbaufolgeindustrien und entwickelten sich zu wichtigen Impuls- und Arbeitgebern in der Region. Viele Unternehmen im Erzgebirge verweisen heute mit Stolz auf ihre Wurzeln, die bis in diese Zeit zurückreichen.
Gleichzeitig hat das Montanwesen aber auch einen signifikanten Einfluss auf die Entwicklung von Kunst und Kultur, Natur und Architektur, Wissenschaft und (Landes-) Politik, aber auch auf Traditionen und Brauchtum ausgeübt. Viele dieser Bräuche und Sitten bestimmen unseren Alltag bis heute. Die Gesamtheit dieser Facetten - immaterielle wie materielle Werte - stehen für die Einzigartigkeit der „Montan- und Kulturlandschaft Erzgebirge“ und müssen im Einklang mit den wirtschaftlichen Perspektiven der Region erhalten und weiterentwickelt werden. Der Welterbe-Titel bietet dafür eine großartige Gelegenheit.
Welche Chancen bieten sich mit dem Welterbetitel?
Der UNESCO-Welterbe-Titel ist national und international bekannt und genießt ein sehr hohes Ansehen. Vor allem die Tourismuswirtschaft wird durch den Titel direkt profitieren, wenn die angebotenen Produkte, die Empfangs- und Erlebnisqualität vor Ort und das Marketing stimmen. Eine Regionalmarketingstudie von MSP Impuls Projekt aus dem Jahr 2010 kommt zu dem Ergebnis, dass unter diesen Voraussetzungen mit einem deutlichen Anstieg der Besucherzahlen und folglich auch mit einem finanziellen Zugewinn für die Region zu rechnen sei.
Viel wichtiger für die Wirtschaft im Erzgebirge sind aber zwei weitere Aspekte: Der Welterbetitel bringt - bei entsprechender „In-Wert-Setzung“ - erstens einen erheblichen Imagegewinn für die Region mit sich und wirkt sich zweitens positiv auf das Zugehörigkeits-Gefühl und die regionale Identität der Bevölkerung aus. Beide Sachverhalte spielen eine große Rolle, wenn es um die Zukunftsfähigkeit der Region geht.
Das Erzgebirge ist nicht nur das am dichtesten besiedelte Mittelgebirgen in Deutschland, es verfügt zugleich über die höchste Industriedichte in Sachsen. Viele kleine und mittlere Unternehmen der Bergbaufolgeindustrien (Metall-, Elektro-, Automobil-, Papierbranche etc.) sind in den letzten 20 Jahren neu entstanden oder haben sich im Erzgebirge angesiedelt. Andere wiederum haben ihre Wurzeln weit in der Vergangenheit. Das Erfolgsrezept, mit dem sich diese Unternehmen seit Jahren behaupten, ist eine Mischung aus hochqualifizierten Mitarbeitern und der Umsetzung innovativer Ideen.
Damit das auch in Zukunft so bleibt, sind die Unternehmen im Erzgebirge auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen. Weil im Zuge des demografischen Wandels das Fachkräftepotential im Erzgebirge aber weiter sinkt und sich dieser Trend mittelfristig nicht ohne weiteres umkehren lässt, werden die Unternehmen bereits in den kommenden Jahren auf die Zuwanderung von Fachkräften angewiesen sein.
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Ein positives Image für die Region ist dafür unerlässlich. Unter dem Motto „Gedacht. Gemacht.“ betreibt das Regionalmanagement Erzgebirge diesen Imagewandel bereits seit einigen Jahren bewusst voran.
Das Projekt „Montanregion Erzgebirge“ lässt sich sehr gut in diese Strategie integrieren, denn es bietet uns die Möglichkeit, die Region bekannter und anziehender zu machen. Mit Hilfe des Welterbetitels können wir einem breiten Publikum vermitteln, dass wir mehr sind, als nur „Weihnachts- und Spielzeugland“ und dass das Erzgebirge seit jeher als Industriestandort und als Arbeits- und Wohnort attraktive Bedingungen lieferte und bis heute liefert.
Zugleich wird der Welterbetitel auch innerhalb der Region nicht ohne Wirkung bleiben, denn er trägt zur Identitätsstiftung von Einheimischen und Zugezogenen mit ihrem Umfeld bei. Unternehmen profitieren nachweislich von dieser engen Bindung zwischen Angestellten, Betrieben und lokalem Umfeld. Die hohe Mitarbeitertreue und die gegenseitige Zuverlässigkeit in den Unternehmen des Erzgebirges sind bereits heute ein Beweis dafür. Identitätsstiftung ist folglich auch ein Weg, junge, gut ausgebildete Menschen am Standort Erzgebirge zu halten.
Der Welterbetitel einer „sich weiterentwickelnden Kulturlandschaft“ vermag als „ Regionalentwicklungsstrategie“ einiges in Bewegung zu setzen. Richtig vorbereitet, vermarktet und von der Bevölkerung und allen Akteuren der Region getragen und bewusst gelebt, wird der Titel in der Tat neue Impulse freisetzen können.
Wie können sich Unternehmen am Projekt beteiligen? Ideen sind gefragt!
In den Antragsunterlagen der „Montanregion Erzgebirge“ werden nicht nur wirtschaftliche und infrastrukturelle Entwicklungen in der Region berücksichtigt, um auch in Zukunft öffentliche oder private Investitionsvorhaben nicht zu behindern. Das Welterbe-Projekt setzt vielmehr auf eine aktive Mitarbeit von Unternehmen.
Die Möglichkeiten einer Beteiligung am Projekt sind sehr breit gefächert. So unterstützen beispielsweise schon jetzt Unternehmen mit Spenden den Förderverein Montanregion Erzgebirge e.V. bei den Vorbereitungs- und Umsetzungsarbeiten für den Welterbeantrag.
Vorstellbar ist aber auch, dass Unternehmen mit Bezug zum Bergbau oder den Bergbaufolgeindustrien als Werbeträger für das Projekt auftreten oder nach der Ernennung zum UNESCO-Weltkulturerbe selbst mit Hilfe des Titels um Fachkräftezuzug in die Region werben.
Die Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH, Projektsteuerung des UNESCO-Welterbe-Projektes, koordiniert derzeit den Aufbau von Arbeitsgruppen, die das Projekt inhaltlich untersetzen und eine breite Beteiligung von Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft ermöglichen sollen. Angedacht ist z.B. eine Arbeitsgruppe Wirtschaft und Kultur, die neben der Gewinnung von Kooperationspartnern auch die Einbindung von Unternehmen in die Marketingstrategie begleiten soll.
Die Arbeit dieser Gruppen wird als Bestandteil des so genannten „Managementplans“ in die Antragsunterlagen für die Welterbestätte „Montanregion Erzgebirge“ eingehen und ist für die Verleihung des Titels von großer Bedeutung. Wir setzen deshalb auf eine breite Unterstützung durch Unternehmen und Wirtschaftsverbände im Erzgebirge.
Wenn Sie Ideen und Vorschläge für die Ausgestaltung des Welterbe-Projektes haben, sich als Unternehmen - in welcher Form auch immer - am Gelingen des Projektes beteiligen wollen oder sich vorstellen könnten, in einer dieser Arbeitsgruppen mitzuwirken, dann sprechen Sie uns an!
Matthias Voigt
Projektmanagement UNESCO-Welterbe-Projekt „Montanregion Erzgebirge“
Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH
Adam-Ries-Straße 16
09456 Annaberg-Buchholz
Tel.: 03733/145 121
E-Mail: voigt@wfe-erzgebirge.de